
Seminar "Qualität vor Quantität oder mit Motivation zum Erfolg" 18./19.04.2009
Persönlicher Erfahrungsbericht von Renate Krischer * download HIER *
Am Wochenende 18./19.04.2009 führte die KG Aachen ein Praxisseminar durch, welches auch zur Verlängerung des SKN anerkannt war, aber auch für Hundeführer ohne SKN angeboten wurde. Referent war Wolfgang Schmidt aus Blomberg, der mit seinem Rüden Es Flindto's Boston erfolgreich auf Meisterschaften teilgenommen hat.
Wolfgang führte morgens mit Hilfe einer gut strukturierten, kurzen aber präzise auf den Punkt gebrachten Powerpointpräsentation in die Grundlagen der Ausbildung ein. Locker und leicht verständlich erklärte er, ohne in Fachchinesisch zu verfallen, so dass alle seiner Einstellung zu den wesentlichen Grundlagen für die Ausbildung folgen konnten. Hervorzuheben ist, dass er nicht eine "neu erfundene Art von Ausbildung" vermitteln will, er hob ausdrücklich hervor, dass er für sich viele Einflüsse und Ideen anderer erfahrener Hundler verarbeitet, Altes genauso wie Neues kennt und je nach Hund und Hundeführer, diese einsetzt. Er stellte heraus, dass insbesondere Ausbilder viele Methoden (Bausteine) kennen sollen, um diese je nach Erfordernis auch einsetzen und vermitteln zu können. Wolfgang ist ein wirklicher Praktiker, der sich aber auch mit dem theoretischen Hintergrund sehr befasst und dies dann in leicht verständlichen Worten gut erklären kann. Er zeigte die Ausbildungsmaterialien, die man unbedingt für verschiedene Ausbildungstechniken haben sollte, angefangen von unterschiedlichen Spielis, Leinen, Halsbändern usw.
Nach der Theorie ging es dann für die Praxis auf den Hundeplatz. Zunächst zeigte Wolfgang Ausschnitte aus der Arbeit mit seinem Hund, sehr eindrucksvoll die hohe Erwartungshaltung des Hundes, hoch konzentriert auf seinen Hundeführer arbeitet Obi mit. Dann waren natürlich die Teilnehmer mit ihren Hunden gefragt. Es wurden die ersten Schritte zur Futterarbeit und Bindung an den Hundeführer mit Welpen und Junghunden gezeigt. Aufbau über Beute und Körperkontakt wurden erarbeitet. Das Thema Clicker konnte nur am Rande angesprochen werden.
Größtes Problem, das sich in der Praxis zeigte, ist häufig das richtige Timing, um den Hund für ein erwünschtes Verhalten zu bestätigen oder aber auch mit Hilfe der richtig eingesetzten Leine den Hund zu korrigieren. Hierauf wurde sehr intensiv eingegangen. Es zeigte sich, dass sehr oft viel zu schnell bereits auf technische Übungen trainiert wird, der Hund aber noch gar nicht gelernt hat, aufmerksam und auf seinen Hundeführer konzentriert mit zu arbeiten, ohne durch ständige übertriebene Leinenrucke oder Locken mittels Leckerli/MO auf den Hund einzuwirken. Hier hat Wolfgang viele gute Anregungen gegeben, die man eigentlich kennt - oder kennen sollte -, aber nicht konsequent genug in der täglichen Arbeit mit dem Hund umsetzt. Wolfgang stellte klar heraus, dass übertriebenes Locken und zu starke Einwirkungen mittels Leine extrem kontraproduktiv sind. Vieles von dem Gezeigten und Erklärten war für mich nicht neu. Jedoch wurde ich an Manches wieder erinnert, was sich in den hintersten Ecken der Erinnerung versteckt hatte. Ein wichtiger Hinweis war natürlich auch, dass man möglichst im Team mit seinen Sportfreunden arbeiten sollte, es gibt oft genug Situationen, wo eine Hilfsperson notwendig ist. Den Clicker kann hierbei der Ausbilder etwas anders als in der klassischen Clickerarbeit sehr gut einsetzen, um dem Hundeführer wichtige Signale zu geben. Zum Beispiel für unerfahrene Hundeführer ein Click, damit sie wissen, jetzt kann ich den Hund für ein erwünschtes Verhalten bestätigen. Die im rechten Moment erforderliche Bestätigung fällt vielen Hundeführern sehr schwer. Oder beim Sitz aus der Bewegung ein Click und der Hundeführer weiß, jetzt sitzt der Hund korrekt und ich kann auflösen und bestätigen. Der Einsatz des Clickers etwas anders, aber dennoch eine gute Hilfe im Training. Jeder der mit offenen Ohren und Augen zuhörte oder auch praktisch mit seinem Hund kleine Sequenzen gearbeitet hat, wird sicherlich in den nachfolgenden Übungsstunden wieder etwas konzentrierter und systematischer weiter trainieren. Danke an Wolfgang, der auch mir für die leidige Sitzübung einen guten Tipp geben konnte, den wir zwischenzeitlich schon mit Erfolg umgesetzt haben. Auch nicht wirklich etwas Neues, wir mussten lediglich für diesen Hund die richtige Arbeitsweise austesten und dann umsetzen.
Am Sonntag war der Schutzdienst das Hauptthema, auch hier zunächst mit Hilfe einer Powerpointpräsentation eine kurze theoretische Einführung. Danach ging es dann für die Praxis auf den Platz. Zunächst wurde jedoch auf Wunsch einiger Hundeführer eine Gruppenarbeit "ausprobiert". Es zeigte sich jedoch sehr schnell, dass die Hunde noch keine ausreichende Bindung und Konzentration auf ihren Hundeführer hatten, sie konnten teilweise kaum mit Leckerli oder MO ihre Hunde in eine auf den Hundeführer gerichtete Aufmerksamkeit bekommen. Hier zeigte sich ganz deutlich, dass zunächst Hund und Hundeführer daran arbeiten müssen, ein wirkliches Team zu werden, dann klappt es auch, wenn andere Teams gleichzeitig auf dem Platz sind und die Hunde lassen sich dann nicht mehr dadurch ablenken. Wolfgang zeigte und erklärte nochmal verschiedene Methoden, den Hund dahin zu bringen, dass er eine hohe Erwartungshaltung gegenüber dem Hundeführer zeigt und dadurch Ablenkungen von außen ausblenden kann.
Im Schutzdienst zeigten Hundeführer mit ihren Hunden kurze Sequenzen ihres Ausbildungsstandes, Wolfgang machte hierzu kleine Anmerkungen und gab verschiedene Anregungen, wie man das ein oder andere verbessern könnte. Natürlich auch ein großes Danke an Frank Steffens (OfS der KG Aachen), der sich als Figurant zur Verfügung stellte. Verschiedene Probleme bei der Verbellübung wurden besprochen. Hier kamen je nach Hund und dessen Veranlagung oder Ausbildungsstand, die lange Leine zum Einsatz oder der Hund wurde nicht mit einem Anbiss beim Verbellen bestätigt, sondern durch Herauswerfen eines kleinen Beißkissens, was z.B. Sinn macht, damit der Hund nicht unsauber im Versteck wird sondern seine Bestätigung immer außerhalb des Verbellverstecks bekommt. Hier muss jedoch je nach Hund differenziert werden, eine Art "Kochrezept" gibt es nicht. Das zeigt auch sehr schön auf, dass wir sehr gut unsere Hunde beobachten und analysieren müssen, um heraus zu finden, wie mache ich es am besten bei diesem Hund. Sehr gut auch festzustellen, auch hier geht es nicht ohne Teamarbeit. Wolfgang (Ausbilder), Frank (Figurant), Hundeführer und ggf. auch weitere Hilfspersonen, die eine Leine halten, sie stimmen sich untereinander ab und besprechen die weitere Vorgehensweise, so sollte es in der Übungsstunde ablaufen. Es kann nicht angehen, dass nur die Ausbilder und der soeben trainierende Hundeführer aktiv auf dem Platz sind und der Rest der "Mannschaft" zieht sich derweil ins Vereinsheim zu Kaffee und Kuchen zurück. Wolfgang ging auch hierauf ein, der Ausbilder wird es irgendwann leid sein, immer wieder jedem einzelnen Hundeführer das Gleiche wie dem vorherigen Team zu erklären. Natürlich habe auch ich meinen Hund praktisch im Schutzdienst gearbeitet und gute Anregungen für mich und meine Helfer mitgenommen, um eine konzentrierte Bewachung nach den Ablassphasen noch besser zu fördern.
Wolfgang stellte bei der Abschlussbesprechung noch mal klar heraus, dass es nicht darum geht in solchen Seminaren die einzig "wahre" Methode zu vermitteln. Im liegt es daran viele Möglichkeiten - Bausteine - aufzuzeigen, auf die wir zurückgreifen können, je nach dem wie Hund und Hundeführer diese benötigen. Weiterhin stellte er heraus, dass wir nicht nur Aktion und Reaktion des Hundes hinnehmen sollen, wir müssen beobachten und herausfinden, warum etwas klappt oder auch nicht, um dann die richtige Arbeitsweise herauszufinden, damit das Training zum gewünschten Erfolg führt. Für mich läuft das immer darauf hinaus, wenn wir von unseren Hunden Perfektion verlangen, müssen wir erst an uns selbst arbeiten und versuchen möglichst perfekt zu sein. Ein normal veranlagter, gesunder Hund kann eigentlich alles, wenn wir es ihm richtig vermitteln.
Für mich war es wieder mal ein interessantes Wochenende, ich kann nur jedem aktiven Hundeführer raten, immer wieder mal über den Vereinszaun zu schauen, und sich mit Rat und Tat anderer Hundeführer unterstützen zu lassen, die für bestimmte Probleme womöglich eine oder gar mehrere Lösungsvorschläge parat haben. Dies muss nicht immer ein Seminar sein - wobei das 2-Tages-Seminar in Aachen mit 40 Euro für zwei Tage absolut kostengünstig war, danke dafür an Wolfgang Schmidt und die KG Aachen -, es können auch Trainingsbesuche in anderen Vereinen sein.
Gerne werden wir auch in der KG Düsseldorf ein entsprechendes Praxisseminar anbieten, ob jetzt Wolfgang Schmidt oder ein anderer, dümmer werden wir dadurch bestimmt nicht, auch nicht, wenn wir schon Jahrzehnte Hundesport betreiben, man kann immer noch etwas dazu lernen oder einfach nur dem Tunnelblick - der sich oft beim Training im eigenen Verein einstellt - entgegen wirken.
Auf ein entsprechendes Feedback freut sich
Renate Krischer
OfS KG Düsseldorf