
Seminar "Qualität vor Quantität oder mit Motivation zum Erfolg" in der KG Düsseldorf
von Renate Krischer * OfS KG Düsseldorf
Am Wochenende 10./11.10.2009 führte die KG Düsseldorf ein Praxisseminar durch, welches auch zur Verlängerung des SKN anerkannt war, aber auch für Hundeführer ohne SKN angeboten wurde. Referent war Wolfgang Schmidt aus Blomberg, der mit seinem Rüden Es Flindto's Boston erfolgreich auf Meisterschaften teilgenommen hat.
Wolfgang führte morgens mit Hilfe einer gut strukturierten, kurzen aber präzise auf den Punkt gebrachten Powerpointpräsentation in die Grundlagen der Ausbildung ein. Locker und leicht verständlich erklärte er, ohne in Fachchinesisch zu verfallen, so dass alle seinen Erklärungen zu den wesentlichen Grundlagen für die Ausbildung folgen konnten. Hervorzuheben ist, dass er nicht eine "neu erfundene Art von Ausbildung" vermitteln will, er hob ausdrücklich hervor, dass er für sich viele Einflüsse und Ideen anderer erfahrener Hundler verarbeitet, Altes genauso wie Neues kennt und je nach Hund und Hundeführer, diese einsetzt. Er stellte heraus, dass insbesondere Ausbilder viele Methoden (Bausteine) kennen sollen, um diese je nach Erfordernis auch einsetzen und vermitteln zu können. Wolfgang ist ein wirklicher Praktiker, der sich aber auch mit dem theoretischen Hintergrund befasst und dies in leicht verständlichen Worten erklären kann. Er zeigte die Ausbildungsmaterialien, die man unbedingt für verschiedene Ausbildungstechniken haben sollte, angefangen von unterschiedlichen Spielis, Leinen, Halsbändern usw.
Nach der Theorie ging es dann für die Praxis auf den Hundeplatz. Dann waren natürlich die Teilnehmer mit ihren Hunden gefragt. Es wurden die ersten Schritte zur Futterarbeit und Bindung an den Hundeführer mit Welpen und Junghunden gezeigt. Aufbau über Beute und Körperkontakt wurden erarbeitet. Natürlich musste auch seine bessere Hälfte, Helga, immer mal wieder mit ihrer jungen Hündin ran, damit er an Beispielen einige wichtige Dinge erklären konnte.
Größtes Problem, das sich in der Praxis zeigte, ist häufig das richtige Timing, um den Hund für ein erwünschtes Verhalten zu bestätigen oder aber auch mit Hilfe der richtig eingesetzten Leine den Hund zu korrigieren. Hierauf wurde sehr intensiv eingegangen. Es stellte sich in der Diskussion zwischen Referenten, aktiven und passiven Teilnehmern oft heraus, dass Hunde nicht oder nur unzureichend gelernt haben, mit Belastungen umzugehen. Einigen Hundeführern konnte Wolfgang mit ihren eigenen Hunden zeigen, dass Belastungen nichts mit Härte gegenüber dem Hund zu tun haben, sondern mit Konsequenz und dass die Hunde durchaus damit umgehen können. Für einige Hundeführer eine Erfahrung, mit der sie sicherlich nicht in diesem Seminar gerechnet haben.
Es zeigte sich, dass sehr oft viel zu schnell bereits auf technische Übungen trainiert wird, der Hund aber noch gar nicht gelernt hat, aufmerksam und auf seinen Hundeführer konzentriert mit zu arbeiten, ohne durch ständige übertriebene Leinenrucke oder Locken mittels Leckerli/MO auf den Hund einzuwirken.
Wolfgang stellte klar heraus, dass übertriebenes Locken mit Spieli/Leckerli genauso kontraproduktiv ist wie übertriebene Einwirkungen mittels Leine/Halsband. Vieles von dem Gezeigten und Erklärten war nicht neu. Jedoch wurde an Manches wieder erinnert, was sich in den hintersten Ecken der Erinnerung versteckt hatte. Ein wichtiger Hinweis war auch, dass man möglichst im Team mit seinen Sportfreunden arbeiten sollte, es gibt oft genug Situationen, wo eine Hilfsperson notwendig ist. Den Clicker kann hierbei der Ausbilder etwas anders als in der klassischen Clickerarbeit sehr gut einsetzen, um dem Hundeführer wichtige Signale zu geben. Der Einsatz des Clickers etwas anders, aber dennoch eine gute Hilfe im Training.
Jeder der mit offenen Ohren und Augen zuhörte oder auch praktisch mit seinem Hund kleine Sequenzen gearbeitet hat, wird sicherlich in den nachfolgenden Übungsstunden wieder etwas konzentrierter und systematischer weiter trainieren.
Am Sonntag ging es dann zunächst mit der Unterordnung weiter, kurze Wiederholung zum Vortag und dann wurden weitere Übungen wie Voraus, Steh oder das Springen praktisch erarbeitet.
Am Sonntagmittag war dann auch der Schutzdienst ein Thema - dies obwohl nicht nur Teilnehmer aus dem VPG-Sport dabei waren, sondern auch aus Obedience, Agility und THS - interessiert waren auch diese Teilnehmer zu sehen, wie Wolfgang im Schutzdienst mit Hunden arbeitet. Zu Beginn eine theoretische Einführung in grundlegende Dinge zum Schutzdienst, danach ging es dann für die Praxis auf den Platz.
Im Schutzdienst zeigten einige Hundeführer mit ihren Hunden kurze Sequenzen ihres Ausbildungsstandes, Wolfgang machte hierzu kleine Anmerkungen und gab verschiedene Anregungen, wie man das ein oder andere verbessern könnte. Hier kamen je nach Hund und dessen Veranlagung oder Ausbildungsstand, die lange Leine zum Einsatz. Auch hier immer wieder gut zu sehen, ohne Grundlagen aus der Unterordnung, ist es nicht so einfach seinen Hund im Schutzdienst auszubilden.
Es muss jedoch je nach Hund differenziert werden, eine Art "Kochrezept" gibt es nicht. Das zeigt auch sehr schön auf, dass wir sehr gut unsere Hunde beobachten und analysieren müssen, um heraus zu finden, wie mache ich es am besten bei diesem Hund. Sehr gut auch festzustellen, auch hier geht es nicht ohne Teamarbeit. Ausbilder, Figurant, Hundeführer und ggf. auch weitere Hilfspersonen, die eine Leine halten, sie stimmen sich untereinander ab und besprechen die weitere Vorgehensweise, so sollte es in der Übungsstunde ablaufen. Es kann nicht angehen, dass nur die Ausbilder und der soeben trainierende Hundeführer aktiv auf dem Platz sind und der Rest der "Mannschaft" zieht sich derweil ins Vereinsheim zu Kaffee und Kuchen zurück. Wolfgang ging auch hierauf ein, der Ausbilder/Figurant wird es irgendwann leid sein, immer wieder jedem einzelnen Hundeführer das Gleiche wie dem vorherigen Team zu erklären.
Wolfgang stellte bei der Abschlussbesprechung noch mal klar heraus, dass es nicht darum geht in solchen Seminaren die einzig "wahre" Methode zu vermitteln. Im liegt daran viele Möglichkeiten - Bausteine - aufzuzeigen, auf die wir zurückgreifen können, je nach dem wie Hund und Hundeführer diese benötigen. Weiterhin stellte er heraus, dass wir nicht nur Aktion und Reaktion des Hundes hinnehmen sollen, wir müssen beobachten und herausfinden, warum etwas klappt oder auch nicht, um dann die richtige Arbeitsweise herauszufinden, damit das Training zum gewünschten Erfolg führt. Es läuft immer darauf hinaus, wenn wir von unseren Hunden Perfektion verlangen, müssen wir erst an uns selbst arbeiten und versuchen möglichst perfekt zu sein. Ein normal veranlagter, gesunder Hund kann eigentlich alles, wenn wir es ihm richtig vermitteln.
Ein Dank geht an die Teilnehmer aus den unterschiedlichen Sportarten, dies trotz ihrer unterschiedlichen Interessen und Vorlieben stets respektvoll mit einander umgegangen sind. Ein Dank auch an die zahlreichen Hundeführer, die mithalfen mit ihren Hunden den praktischen Teil interessant für alle zu gestalten.
Zum Abschluss wurden noch einige Gruppenbilder der Teilnehmer gemacht, welche über die Seminarleiterin angefordert werden können.
Es war wieder mal ein interessantes Wochenende, ich kann nur jedem Hundeführer und Ausbilder anraten, immer wieder mal über den Vereinszaun zu schauen, und sich mit Rat und Tat anderer Hundeführer unterstützen zu lassen, die für bestimmte Probleme womöglich eine oder gar mehrere Lösungsvorschläge parat haben. Für dieses Wochenende geht ein großes Dank Schön an Wolfgang und Helga Schmidt.